Ein Stern, der deinen Namen trägt

„Wie man den Einfluss der Sterne abstreiten kann, geht über mein Fassungsvermögen.“

Marlene Dietrich (1901-1992)

Diejenigen, die auch nur ansatzweise mit meinen musikalischen Vorlieben vertraut sind, reiben sich die Augen: Schlager-Schlagzeile? Ist sie gehackt worden oder hat eines ihrer Ichs aus einem Paralleluniversum (wo sie sich bekanntlich hinträumt) ihre Tastatur gekapert? Mitnichten – ich wollte nur gleich direkt mit der Tür ins Haus fallen und auch hier in meinem Blog verkünden, was ich in Social Media unlängst bekannt gab:

Ich trenne vom Baum meines Portfolios einen Produktzweig ab, den ich seit zwölf Jahren im Programm hatte: kleine, feine Sternzeichengrafiken, koloriert mit Aquarellfarben. Dies ist allein der Tatsache geschuldet, dass ich umfangreich Neues anfangen, mich fokussieren und deshalb mein Archiv leeren möchte (auch wenn in diesem Fall das reine Volumen in Bezug auf das Fassungsvermögen meines Kunst-Stauraums keine echte Rolle spielt). Je nachdem, wie viel Werbung ich für diese Federzeichnungen jeweils gemacht hatte, kamen verlässlich Aufträge dafür rein, aber mein Springhirn braucht an dieser Stelle jetzt Ruhe. Auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle 720 möglichen Kombinationen aus Tierkreiszeichen und chinesischem Geburtsjahr anzufertigen, was das kleine, sprunghafte Eichhörnchen in meinem inneren Team sammelwütig forciert hat: ich bin nun bereit, mit ach, dieser Lücke, dieser entsetzlichen, zu leben. (Exkurs: Bitte geht ins Kino und schaut euch die sehenswerte Meyerhoff-Verfilmung an!)

Ganz davon abgesehen bringt es meine Persönlichkeitsstruktur mit sich, dass ich Wiederholungen nicht soooooo sehr goutiere. Da sieht man’s schon: Viele o’s visualisieren die latente Langeweile, die sich bei mir bei reproduktiven Tätigkeiten einstellt, weil ich gedanklich schon längst wieder woanders bin. Ich weiß, dass ich das Schicksal mit vielen Künstlerkolleg*innen teile, und es betrifft mit der Ausstellungstätigkeit auch einen weiteren dicken Ast, an dem wir nicht zu sägen wagen würden. »Alte« Werke auszustellen, wo doch neue, spannende Projekte nach Bearbeitung rufen, scheint irgendwie widersinnig, wir sind doch längst viel besser und gereifter, als das, was da an der Wand hängt? Quod erat demonstrandum: Wollte ich nicht über etwas ganz anderes schreiben? Zurück zu den Sternzeichen-Werken!

Für Ausstellungen produzierte ich damals eine Reihe von Beispielen, um dem bestellwilligen Publikum vorzuführen, wie Steinböcke und Ratten, Fische oder Schlangen ausfallen könnten. Zusätzlich hatte ich immer auch das jeweils für zwei aufeinanderfolgende Jahre geltende Element aus dem chinesischen Horoskop eingebaut, was zu der Rechnung führte: 12 Tierkreiszeichen x 12 chinesische Jahrestiere x 5 Elemente = 720 unterschiedliche Variationen zum Thema. Das inflationäre Auftreten von Waagen bei den Ausstellungstücken erklärt sich dadurch, dass ich in einer September-Ausstellung diese Arbeiten zum ersten Mal zeigte und auf Horoskop to go für kommende Geburtstagskinder spekulierte. Hat nur ansatzweise geklappt – genau diese Zusammenstellungen waren die falschen, bestellt wurden fleißig andere.

Mein Pech, euer Glück: Ich verschenke die Arbeiten nun an jeweils die erste Interessentin oder den schnellsten Mailschreiber. Sie sind so klein und handlich, dass man dafür immer noch ein Plätzchen an der Wand findet (mit Passepartout versehen 30 x 20 cm), kommen gegen Portokosten mit der Post ins Haus oder können bei mir im Atelier nach Voranmeldung abgeholt werden. Verbreitet diese frohe Botschaft gern weiter – es ist auch gut geeignet als persönliches Geschenk. Ob man nun wie Marlene Dietrich an den Einfluss der Sterne glaubt oder sich vom Kosmos unbeeinflusst fühlt – es hat in jedem Fall einen individuellen Bezug.

Ich hänge unten eine Liste an, für welche Jahrgänge und Sternzeichen ich noch Original-Grafiken habe – eine Bestellung anderer Arbeiten dieser Art ist nicht mehr möglich. Aber es kommt Neues, auch wenn in den Sternen steht, wie sich alles entwickelt… was ich allein zum Jahresanfang mantra-artig oft gesagt habe trotz meiner Behauptung, ich hasste Wiederholungen. Konsequent inkonsequent! Aber dazu mehr in einem weiteren Beitrag.

Die vorhandenen Sternzeichen-Grafiken sind für Menschen mit folgenden Geburtsdaten (wird laufend aktualisiert): Steinbock Ende 1989-Anfang 1990, Wassermann 1950 & 2010, Fische 1934, 1972, 1974 und 1994, Widder 1963 & 2013, Zwillinge 1936, 1967 und 1996, Krebs 1937 & 1997, Skorpion 1953, 1977 & 2013, Waage 1937, 1939, 1944, 1959, 1972, 1976, 1977, 1982, 1990, 1991, 1993, 1997, 1999, 2004 & 2019; Schütze 1934 & 1994.

Abgebildet sind Arbeiten für Fische Jg. 1974, Waage Jg. 1959 & 2019 und Zwillinge Jg. 1967.

Hoch hinaus mit Holz

„Mich interessiert die Überwindung von Angst: Sich vor ihr zu verstecken, wegzurennen, sich ihr zu stellen, sie zu exorzieren, sich deswegen zu schämen und schließlich, Angst vor der Angst zu haben. Das ist das Thema.“

Louise Bourgeois (1911-2010)

Jetzt wird’s ernst: Meinen ursprünglichen Beitrag habe ich verschoben, so banal erschien er mir angesichts der Weltlage. Der Optimistin in mir, die stets tapfer die Fahne der Zuversicht empor gereckt hat, sind aktuell die Arme lahm geworden. Ich wünschte, ich könnte mich selbst mit einem Kniff in den Arm aus diesem Albtraum aufwecken, in Hogwarts meine Apparierprüfung ablegen oder mich von Scotty hochbeamen lassen – egal wie: nur weg!

Das Filmgenre der »alternativen Welten« interessiert mich brennend, seit »Zurück in die Zukunft« in die Kinos kam. Wenn durch diverse – wenn überhaupt hanebüchen – begründete Ereignisse (Stromschläge sind weiterhin die Nr. 1) abweichende Versionen ein und derselben Lebensgeschichte oder Handlung gezeigt werden, komme ich ins Grübeln über die Entscheidungs-Abzweigungen, die nicht nur mein Lebensweg mit sich gebracht hat. Was wäre wenn… ich nicht auf dieses Rad gestiegen wäre? … ich die Bewerbung doch abgeschickt hätte? … es zur rechten Zeit eine mutige Whistleblowerin gegeben hätte? Fragen über Fragen!

Wie im meisterlich umgesetzten Everything Everywhere All at once suche ich derzeit nach dem Paralleluniversum, in dem ich nicht nur Kampfkunst beherrsche, sondern mit irrealen Superkräften ausgestattet bin. Ich möchte nicht nur unsichtbar sein, ich möchte durch Wände gehen und Politiker und deren Gefolge mindestens kräftig durchschütteln, massiv erschrecken oder was immer nötig ist, sie ihre Entscheidungen (sofern sie überhaupt in der Lage sind, solche rational zu treffen) überdenken zu lassen. Wer Macht hat, möge sie zum Guten nutzen – aber mir scheint, die dunkle Seite derselben hat derzeit die Oberhand. Das laute Schweigen derjenigen, die hierzulande an den politischen Schalthebeln sitzen und weiterhin den Leerlauf bevorzugen macht mich wütend.

Meine zur Verfügung stehenden Waffen beschränken sich auf Zeichenstift und Pinsel. Manchmal zeichne oder male ich also gegen meine Wut, Angst und Verzweiflung an, wie z. B. bei meinem Schlagzeilen-Projekt (was vermutlich meine Einreise in die Vereinigten Staaten unmöglich macht, solange der Orange im Evil Office sitzt). Aber mein kluger Sohn hat mir geraten, mich eben nicht mehr mit ihm zu beschäftigen, weil es exakt das ist, was er und seine fragwürdigen Berater wollen. Belasse ich es also bei den schon im Jahr 2017 entstandenen zeichnerischen Kommentaren, die zur allgemeinen Frustration weiterhin ihre Gültigkeit haben.

Mein Yogi-Tee hat mal »gesagt« (Grüße an meine ehemaligen Kolleginnen an der Stelle!), der einzige Punkt im Universum, den ich ändern könne sei ich selbst. Auch ohne das Präfix »Parallel-«… Ich versuche es, auch wenn mir ehrlich schwer fällt, gelassen zu bleiben. Aber wenn wir alle unsere Angst vor den Angstmachern überwinden, wie es die von mir sehr verehrte Louise Bourgeois rät, und an unserem eigenen winzigen Punkt herumschrauben, ihn anders einfärben, ihn strecken, dehnen, schmücken und einladend gestalten, bewirken wir vielleicht doch etwas.

Die Hoffnung… ja ja… ist noch da.

In dem Artikel, aus dem ich diese Schlagzeile ausriss, ging es um die Aufstockung von Bauten mit einem weiteren Geschoss in Holzbauweise, darunter um (was sonst?) Fußball.

»Verkaufen sie die Wand dazu?«

»Zu jeder Kunst gehören zwei: einer der sie macht, und einer, der sie braucht. «

Ernst Barlach (1870–1938)

»Brauchen« ist so ein Begriff: Ab und an kommt jemand in meine Ausstellung spaziert mit dem konkreten Bedarf, eine bestimmte Wand bestücken, ein spezifisches Motiv erwerben zu wollen. Manchmal entsteht das Brauchen erst beim Anblick eines Gemäldes, nach dem Motto: Ich habe es vorher nicht gewusst, aber jetzt, da ich es gesehen habe, benötige ich es un-be-dingt! Die Titelzeile von heute, die mir ein Ehepaar vor ein paar Jahren »geschenkt« hat, könnte eine Ausrede gewesen sein – denn das gab dieses als Grund an, partout nichts Neues mehr erwerben zu können – weil ihnen im fortgeschrittenen Stadium eines Sammlerlebens kein Platz mehr zur Verfügung stünde. Ich hab’s gern und unumwunden geglaubt (allein schon, um dieses Adjektiv mal aus seiner Kettung ans Zugeben zu lösen!), meiner Menschenkenntnis trauend. Dafür war das vorangegangene Gespräch, die Nachfragen nach Technik, Intention und Inspiration einfach zu ausführlich, als dass das geheuchelt gewesen sein könnte. Zudem würde ich mir mit beständigem Misstrauen in die Menschheit doch nur selbst die Tage verderben, die ich von meiner Kunst umgeben verbringe?

Ausstellen macht Freude, wenn man sich auf die positiven Begegnungen, die freundlichen Menschen, die wirklich Interessierten fokussiert. Für das Gefühl, das mich bei einer Kunstschau zuweilen erfasst, ist der Begriff Demut nicht unangebracht: So viel nehmen die Leute also bei mir mit (auch wenn sie beim Weggang kein Bild unter dem Arm tragen)? Das haben sie in diesem Gemälde tatsächlich gesehen? Das Highlight ihres Tages soll tatsächlich meine Kunst gewesen sein? Die Gespräche mit den Betrachterinnen und Betrachtern eröffnen mir häufig ungeahnte Interpretationen und Perspektiven – wobei die Künstlerin sich stets davor hüten sollte, in der freien Arbeit allzu sehr dem Publikumsgeschmack hinterherzumalen. Das darf den Auftragsarbeiten vorbehalten bleiben, bei denen sich meine Kunden sicher sein dürfen, dass ich als Mal-Fee mit dem Zauberpinsel auch mehr als drei Wünsche erfüllen kann. Wenn sich hingegen jemand für meine seltsamsten, abseitigen Ideen erwärmen kann, die ich nach einem Blitz durchs Hirn umgesetzt habe, weil ich die Visualisierung zwingend gebraucht habe, dann geht mir das Herz auf und schnell entsteht ein ungeheuer inspirierender, seelenverwandter Austausch.

Ich stelle aus und es stellt sich ein: eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich machen darf, was ich tue. Das dickste DANKE gilt allerdings meinem zweifelnden Ich von vor beinahe vierzig, dreißig, zwanzig… Jahren. Ich bedanke mich bei allen Versionen meines Selbst fürs mutige über-den-Schatten-Springen, Durchhalten, Wahr-Nehmen, Sinnsuchen, Sinnfinden und Weitermachen.

Zwischenzeitlich war ich nämlich richtiggehend ausstellungsmüde. Inflationär gab es in meiner Wahrnehmung eine immer höhere Anzahl Kunsthandwerker- und Kunstmärkte, die mit einem hohen Faktor x multipliziert ein wahres Heer an Ausstellenden benötigte. Dank der Demokratisierung der Produktionsmittel können sich immer mehr Menschen der Herstellung von zwei- oder dreidimensionalen Kunstprodukten widmen. Ein Teil von mir findet das gut – die Freude am Kunst-Machen sollen doch möglichst viele haben können? Aber wenn alle hinter dem Tresen stehen, bleiben konsequenterweise nur noch wenige davor, die konkurrenzfrei gucken, sich freuen und kaufen? Letzteres ist letztlich, auch wenn wir das hehre Ideal von l’art pour l’art gern propagieren, für uns Berufskünstler ein entscheidender Punkt. Ohne finanziellen Input versiegt der künstlerische Output nicht unbedingt, aber der Wille, die Kunst vorzuzeigen, kann deutlich geschwächt werden. In meinem Kopf jedenfalls hat die positiv denkende Künstlerin die Pessimistin an die Hand genommen und permanent mitgeschleift, bis auch diese ein Durchhaltevermögen entwickelt hat. Letztere quengelt ab und an noch ein bisschen, aber die Optimistin gewinnt jedes Mal! Die ist echt gut in der Argumentation, das muss man ihr lassen!

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung: Kunst ist nicht dafür da, im Keller zu verstauben! Ich bringe sie wieder ans Licht und zeitnah noch zielgerichteter unter die Leute. Da ich mich zukünftig (bis auf mein Porträt-Projekt) im Wesentlichen aufs illustratorische Kleinformat fokussieren werde, lasse ich die »große« Kunst (auf meine Kunden, Freunde, Follower) los… zum Teil zu kleinen Preisen, auch verlost, manchmal verschenkt und in jedem Fall mit viel Herzblut. Bleibt dran, da kommt noch was!

So kann meine Hauswand bei den Outdoor-Ausstellungen KunstWerkWege oder HeideKultour aussehen – im April garantiert anders, weil drei der abgebildeten Gemälde verkauft wurden und an anderen Wänden hängen.

Blick voraus mit Zorn

»Mein Debüt in der Ölmalerei war sehr erfolgreich.«

Anders Zorn (1860–1920)

Oha, Neustart mit Wortspiel! Aber es lag so nah… und wer mich kennt weiß, dass mein assoziativ funkendes Hirn ständig an Worten und Wörtern hängenbleibt und so zuverlässig in unvorhergesehene Bahnen abdriftet, Leugnen zwecklos. Also bekenne ich mich doch gleich zum Start von 2026 einmal mehr mutig zu meinen Eigenheiten: Was immer ich neu, ANDERS oder besser machen könnte in diesem frisch aufgeblätterten Jahr – ich kann nur mit meinem eigenen Ich arbeiten, ein anderes habe ich nicht (und inzwischen habe ich es auch ganz schön gern).

Außerdem gibt es wirklich kaum etwas Besseres für eine Künstlerin, als mit den tief gehenden und hoch motivierenden Eindrücken einer Ausstellung ins neue Jahr zu starten – auch wenn sich das so formuliert deutlich nach Achterbahnfahrt anhört. Aber warum sollte das auch anders sein als 2025, nur weil ich den gefledderten Tages-Kunst-Kalender (heiße Empfehlung an der Stelle!) gegen das noch schwere, blockförmige Exemplar ausgetauscht habe?

Gegen Jahresende war – nicht sehr überraschend – viel los, aber nun habe ich es endlich in die aktuelle Ausstellung der Hamburger Kunsthalle geschafft. Ich erzähle mit-malenden Menschen nichts Neues, denn bestimmt geht es allen genauso: Die Betrachtung von Malerei löst einen reflexartigen Schaffensdrang aus! Direkt im ersten Saal, bei der Betrachtung des ersten Aquarells von Zorns Hand (Was, das ist wirklich ein Aquarell!? Mit gerade mal 20 Jahren gemalt!?) hatte ich den Impuls, sofort Richtung des eigenen Farbkastens zu laufen und die Pinsel zu schwingen. Heute ist die Anschaffung eines Aquarellkastens kein allzu großer oder gar unerfüllbarer Wunsch (allein ich habe schon fünf mit unterschiedlichen Farbpaletten bestückte). Zorn, der aus eher bescheidenen Verhältnissen stammte, musste nach eigener Auskunft tatsächlich erst eine Weile davon träumen, einen eigenen zu besitzen. Im Katalog zur Schau heißt es: »Als er sich diesen Wunsch erfüllte, erinnerte er sich an ›kaum einen glücklicheren Augenblick in meinem Leben‹, denn ›in diesem Kasten lagen ja alle Möglichkeiten‹.«

Ja, buchstäblich alle – wenn man denn das Material zu benutzen weiß. Wenn man offen ist für Experimente, Geduld hat fürs Üben, Frustrationstoleranz mitbringt bei misslungenen Ansätzen und Ideen für Motive, können diese mit ein wenig Fantasie angereichert Nie-Dagewesenes zeigen. Kein Algorithmus einer noch so gut trainierten KI kann das, was ein Maler, eine Künstlerin als Urheber*in eines Gemäldes zu schaffen in der Lage ist. Das versuche ich auch immer meinen Studierenden zu vermitteln: Ihr seid diejenigen, die vielleicht mal kopiert werden, aber nicht diejenigen, die plagiieren. Ihr schafft – wenn möglich – einzigartige Originale! (Darüber, dass man eine gute Idee häufig nicht allein hat, hatte ich ja, auf einem anderen Blatt sozusagen, schon geschrieben.)

Zorns beeindruckendes Œuvre ist sowohl malerisches Zeitzeugnis als auch Anknüpfungspunkt für Weiterentwicklungen zur Abstraktion. Seine Porträts, die Personen sehr sensibel einfangen und gleichzeitig malerisch in großen Schwüngen und Farbschlieren auslaufen, treffen bestimmt jeden ins Mark, der seiner Leidenschaft für Malerei auch praktisch nachgeht. Seine von weiter weg akribisch anmutenden Darstellungen lösen sich beim Näherkommen auf in den wildesten Duktus und ein Stakkato von nebeneinander gesetzten Farben… Ach, darüber können Kunsthistoriker sicher klüger und mit besseren Worten schreiben als ich, die ich eher von Emotionen überwältigt werde und stante pede den Wunsch verspüre, an meinen eigenen Fähigkeiten zu arbeiten und mich malerisch zu verbessern.

Mein »Debüt in der Ölmalerei« habe ich längst hinter mir, aber diese steht in erster Linie auf meinem Plan für dieses Jahr: Ich intensiviere die Arbeit an einem Projekt, für das ich eine ganze Reihe von Ölporträts malen werde, und dafür war dieser Zorn-Auftakt hundertprozentig passend. Meine hellseherischen Fähigkeiten sind unzureichend: Ich weiß natürlich nicht, was meine Pläne 2026 durchkreuzen will oder wird, ob ich 100 % geben kann oder mich mit weniger arrangieren muss. Aber »alle Möglichkeiten« sind ja da, für dieses Jahr, mein Projekt und für die Welt (so möchte ich es einfach hoffen).

Ganz optimistisch werde ich versuchen, etwas daraus zu machen! Und wenn es nicht ad hoc Kunst wird, dann doch Erfahrung, Spaß, ein konstruktives Miteinander mit meinen Kolleg*innen… und vermutlich und letztendlich: etwas NEUES!

Stell dich nicht an, stell aus!

»Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.«

allgemein Karl Valentin (1882–1948) zugeschrieben

Vermutlich eines der am häufigsten zitierten Bonmots im Bereich der Kunst mit zweifelhafter Zuschreibung – aber weil es so gut passt, habe ich es wider besseres Wissen so an den Anfang gesetzt. Ein erster korrigierender Eingriff folgt trotzdem umgehend: Nicht die Kunst ist es, die »Arbeit« macht! Ich würde mich spontan zu der Behauptung versteigen wollen, dass, wer seine kreative Tätigkeit als Arbeit empfindet, leider, leider keine Kunst macht. Ohne weiteres Nachdenken und Herumfeilen lasse ich das hier zum Einstieg mal so stehen und empfehle die beste Definition zum Nachhören: Die »Ode an die Arbeit« von Wir sind Helden. Kleiner Text-Auszug:

»Also was das Schaf da mit dem Gras macht:
Keine Arbeit – Ach?
Was man später mit dem Schaf macht
Das ist Arbeit – Aha
Generell alles was Spass macht:
Keine Arbeit – Och
Generell was man im Gras macht
Keine Arbeit – Ach so«

Demnach kann meine Kunst keine Arbeit sein, weil die Produktion derselben mir auch im fünften Jahrzehnt meines Schaffens noch Spaß macht. Viel eher sind es meiner Meinung nach die flankierenden Maßnahmen, die nötig werden, um die eigene Kunst in Ausstellungen zu präsentieren, die mehr als hundertprozentig (wenn das denn ginge) die Bezeichnung ARBEIT verdienen, in VERSALIEN, fett, unterstrichen. Vor allem dann, wenn man wie ich und meine geliebten Mittelklasse-Mitkünstler*innen keine Lakaien, Entschuldigung: Mitarbeiter hat, die das alles für einen erledigen. Nachhaltig beeindruckt hat mich im Film Gerhard Richter painting eine Szene, in der der Meister nach langer Bildbetrachtung eine Riesen-Rakel entschlossen über die gigantischen, mit Ölfarbe bedeckten Leinwände zieht – um im Anschluss das bekleckerte Werkzeug, fast ohne hinzusehen, weil so gebannt vom Ergebnis des eigenen künstlerischen Expresszugs, auf einem Tisch hinter sich abzulegen und den Raum zu verlassen. In meiner Erinnerung dauert es nicht lange, bis ein junger Mann, aus dem Hintergrund kommend, sich dieses Arbeitsgeräts annimmt, um es zu säubern. In einer weiteren Szene sieht man Richter dann am nächsten Tag die gleichermaßen makel- wie farblose Rakel wieder zur Hand nehmen: Magic!

Unsereins stehen derart dienstbare Geister nicht zur Verfügung. Ich kann mich mehr als glücklich schätzen, in meinem besten Ehemann von allen einen qua Eheschließung verpflichteten Assistenten (Dokumentaristen, imaginären Fanclub-Leiter und Unterstützer in Krea-Tiefs) zu haben, der mir nicht nur in digitalen Dingen wie meiner Website eine immense Hilfe ist, sondern sich nach dem Motto »Support your local artist« (noch näher dran geht nicht!) auch im Bereich der für ihn weitaus weniger attraktiven analogen Kunst-Bewegung von A nach B betätigt.

Wenn gilt: A = (Keller + Dachboden) und B = (Gartenpavillons + Treppenhaus + Erdgeschoss), dann geht’s ja noch… Sollte A = Salzhausen zutreffen, während zeitgleich gilt: B = Hamburg (wahlweise Bedürfnisanstalt, altonale und… oder…), dann sieht die Sache schon anders aus – nämlich nach noch mehr Arbeit! Ich weiß es seit Langem: es ist der Sache wenig zuträglich, dass ich selbst mich beim Kunst-Einpacken genauso verhalte wie bei Urlaubsreisen: für jedes Wetter, alle Eventualitäten, jede modische Laune oder Tagesform wird in den Koffer gepresst, was eine Schließung desselben noch gerade so zulässt. Will heißen: Selbst wenn ich die örtlichen Gegebenheiten eines Ausstellungsraums kenne, möchte ich doch erst den Zusammenklang meiner Werke vor Ort sehen und auf mich wirken lassen, und dazu brauche ich, na klar: Auswahl! Das strapaziert nicht nur meinen Gatten, sondern auch das Fassungsvermögen unseres eigentlich nur für die Personenbeförderung vorgesehenen KfZs. Wenn sperriges Equipment wie Postkarten- und Grafikständer dazukommen, hilft auch kein Pressen: wir müssen zweimal fahren – oder dem hilfsbereiten Schwiegersohn eine Einladung zum Essen in Aussicht stellen. (Um ihm gerecht zu werden: Dieser macht es durchaus auch ohne und unaufgefordert…)

Die »Heimspiele« wie die jährlichen KunstWerkWege oder die HeideKultour bei denen ich regelmäßig nicht nur in meinem Dachatelier und in den dafür vorgesehenen Pavillons im großen Garten meine Arbeiten (Ha! also doch!) zeige, sondern auch Gästezimmer und Teile des Wohnraums umfunktioniere, inklusive der von mir so getauften »Merchandising-Zone« in der Diele, haben allerdings ihre eigenen Herausforderungen. Denn hier steht mir theoretisch mein gesamtes (noch nicht verkauftes) Œuvre zur Verfügung, das ich dann rauf und runter, hin und her und leider auch wieder zurück trage, um fürs Publikum ein weites, inspirierendes Spektrum zusammenzustellen. Das kann dauern! Hier werde ich paradoxerweise eher später fertig als frühzeitig, weil mir immer noch ein vergrabener Kunstschatz entgegenkommt, den ich unbedingt ans Licht der Öffentlichkeit heben möchte.

Zudem ist das Wandeln der privaten Räume in eine Galerie, und sei es auch nur für ein Wochenende, eine Maßnahme, die sehr viel Vertrauen erfordert. In meinen geliebten Mann, der stoisch erträgt, dass er nach dem Abzug der letzten Kunstfreunde seine mehr als verdiente, abendliche Sofa-Ruhe hinter Stellwänden finden muss, aber auch in die Besucher. Fotografieren sie wirklich nicht? Begutachten sie tatsächlich die als Ausstellungsobjekte deklarierten und so ausgeschilderten Gegenstände – oder luschern sie mal um die Ecke, was denn in der Küche liegengeblieben ist oder wie mein Büro, aus dem die Treppe zum Atelier aufsteigt, (des-)organisiert ist? Um wieder zum Anfang zurückzuspringen und an dieser Stelle einzuräumen: Natürlich ist meine Kunst eben auch Arbeit – im Sinne von: Beruf! (von Berufung gar nicht zu reden), und das reicht mit dem heimischen Atelier-Arbeitsplatz eben auch ins Private.

Ich finde aber: Sooo chaotisch bin ich gar nicht (zumal für eine Künstlerin!) – aber um Besucherinnen und Besucher ohne Einschränkungen einzulassen, muss man einfach mit dem Guten im Menschen kalkulieren. Aus meinem Hinterkopf schleicht sich gerade der Gedanke heran: Wer sich für Kunst interessiert, ist doch per se aufgeschlossen, weltoffen und freundlich? Nicht? Doch! Meine Erfahrungen jedenfalls sprechen dafür, auch wenn es wie bei allem im Leben Ausnahmen und Sonderfälle gibt. Auf diese einzugehen, würde die Länge dieses Blogbeitrags sprengen, weshalb Teil 2 & 3 zum Ausstellen in Kürze folgen, denn auch in dieser Hinsicht können einige Schätze zu Tage gefördert werden.

Achtung, Lerngefahr: Gern diene ich als falsch-wiedergebende Wiederholungstäterin, die ich das Eingangszitat häufiger leidenden Malschülern zur Aufmunterung nahebrachte, der Aufklärung: Der Ausspruch hat immerhin ein bisschen mit Karl Valentin zu tun – es ist ein Dialog aus einem Film, in dem er mitspielte (verbürgt, ich habe mir den Ausschnitt angesehen). Schön, dass das geklärt ist! Ich werde es vermutlich weiterhin bei passender Gelegenheit, dann aber richtig, zitieren. Wer’s genau wissen will, schaut hier:

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/streit-um-ein-zitat-von-valentin-oder-nicht-1.4168580

Mein Stand beim altonale-Kunstmarkt im Juni 2024