Krokodil mit Rüschen

„Immer ist etwas.“

Merkt Euch diese drei Worte, sie stammen aus meinem Lieblingszitat von Kurt Tucholsky, auf das ich an einem anderen Tag zurückkommen werde.

Aber heute passen sie halt auch. Wenn ich 1994, als ich nebenstehende Illustration anfertigte, gewusst hätte: Von einem kleinen Babymädchen und den damit verbundenen Haushaltspflichten von der Kunst abgehalten zu werden, ist die bestmögliche Alternative und ein nahezu glückseliger Zustand! Was ist es dann aber heute?

Im Wesentlichen bin ich es selbst, denn zu viele Interessen wollen unter einen Hut gebracht werden. Und dieser Hut klemmt wahlweise allzu stramm auf dem Lockenkopf oder rutscht, mal schwitze ich drunter und mal schützt er nicht genug vor dem „Draußen“. Ein Krokodilspanzer wäre da zeitweise nicht schlecht, und auch die Zähne nähme ich gern als Gratiszugabe, um die Anliegen wegzubeißen, zu denen ich mich bis heute nicht NEIN zu sagen traue.

Allerdings bezieht sich das Kostüm, das ich auf diesem Bild trage, auf eine Begebenheit aus meiner Studienzeit mit Kleinkind. Meine Tochter nahm sich schon früh ein Vorbild an ihrer Mama und die Farbstifte in die Hand – und verzierte damit kurzerhand ein von mir skizziertes Krokodil für eine Bildergeschichte mit einer schnörkeligen Liniengirlande um den Kopf, um es ein wenig freundlicher zu machen. Keine schlechte Methode, um den Dingen ihren Schrecken zu nehmen.

Kaltstart, Kunst & Krise

Wär ich doch noch im Winterschlaf…

Ich fange jetzt einfach mal an, ohne Aufwärmphase, Test oder Vor-Schreiben.

Wir erleben seltsam bedrückende Zeiten, nach zwei Jahren der Pandemie rückt plötzlich der Krieg mehr denn je in unser Bewusstsein und stellt so manches Wertesystem in Frage, so auch meins.

Wie viel ist Kunst noch wert, wie wichtig darf ich meine künstlerischen Ambitionen noch nehmen, wenn anderswo, im Übrigen immer, Menschen ums Überleben kämpfen? Vielleicht finde ich keine Antwort, aber vielleicht sollte ich einfach mal damit anfangen, mehr Fragen zu stellen – auch mit diesem Blog.