„Mich interessiert die Überwindung von Angst: Sich vor ihr zu verstecken, wegzurennen, sich ihr zu stellen, sie zu exorzieren, sich deswegen zu schämen und schließlich, Angst vor der Angst zu haben. Das ist das Thema.“
Louise Bourgeois (1911-2010)
Jetzt wird’s ernst: Meinen ursprünglichen Beitrag habe ich verschoben, so banal erschien er mir angesichts der Weltlage. Der Optimistin in mir, die stets tapfer die Fahne der Zuversicht empor gereckt hat, sind aktuell die Arme lahm geworden. Ich wünschte, ich könnte mich selbst mit einem Kniff in den Arm aus diesem Albtraum aufwecken, in Hogwarts meine Apparierprüfung ablegen oder mich von Scotty hochbeamen lassen – egal wie: nur weg!
Das Filmgenre der »alternativen Welten« interessiert mich brennend, seit »Zurück in die Zukunft« in die Kinos kam. Wenn durch diverse – wenn überhaupt hanebüchen – begründete Ereignisse (Stromschläge sind weiterhin die Nr. 1) abweichende Versionen ein und derselben Lebensgeschichte oder Handlung gezeigt werden, komme ich ins Grübeln über die Entscheidungs-Abzweigungen, die nicht nur mein Lebensweg mit sich gebracht hat. Was wäre wenn… ich nicht auf dieses Rad gestiegen wäre? … ich die Bewerbung doch abgeschickt hätte? … es zur rechten Zeit eine mutige Whistleblowerin gegeben hätte? Fragen über Fragen!
Wie im meisterlich umgesetzten Everything Everywhere All at once suche ich derzeit nach dem Paralleluniversum, in dem ich nicht nur Kampfkunst beherrsche, sondern mit irrealen Superkräften ausgestattet bin. Ich möchte nicht nur unsichtbar sein, ich möchte durch Wände gehen und Politiker und deren Gefolge mindestens kräftig durchschütteln, massiv erschrecken oder was immer nötig ist, sie ihre Entscheidungen (sofern sie überhaupt in der Lage sind, solche rational zu treffen) überdenken zu lassen. Wer Macht hat, möge sie zum Guten nutzen – aber mir scheint, die dunkle Seite derselben hat derzeit die Oberhand. Das laute Schweigen derjenigen, die hierzulande an den politischen Schalthebeln sitzen und weiterhin den Leerlauf bevorzugen macht mich wütend.
Meine zur Verfügung stehenden Waffen beschränken sich auf Zeichenstift und Pinsel. Manchmal zeichne oder male ich also gegen meine Wut, Angst und Verzweiflung an, wie z. B. bei meinem Schlagzeilen-Projekt (was vermutlich meine Einreise in die Vereinigten Staaten unmöglich macht, solange der Orange im Evil Office sitzt). Aber mein kluger Sohn hat mir geraten, mich eben nicht mehr mit ihm zu beschäftigen, weil es exakt das ist, was er und seine fragwürdigen Berater wollen. Belasse ich es also bei den schon im Jahr 2017 entstandenen zeichnerischen Kommentaren, die zur allgemeinen Frustration weiterhin ihre Gültigkeit haben.
Mein Yogi-Tee hat mal »gesagt« (Grüße an meinen ehemaligen Kolleginnen an der Stelle!), der einzige Punkt im Universum, den ich ändern könne sei ich selbst. Auch ohne das Präfix »Parallel-«… Ich versuche es, auch wenn mir ehrlich schwer fällt, gelassen zu bleiben. Aber wenn wir alle unsere Angst vor den Angstmachern überwinden, wie es die von mir sehr verehrte Louise Bourgeois rät, und an unserem eigenen winzigen Punkt herumschrauben, ihn anders einfärben, ihn strecken, dehnen, schmücken und einladend gestalten, bewirken wir vielleicht doch etwas.
Die Hoffnung… ja ja… ist noch da.

In dem Artikel, aus dem ich diese Schlagzeile ausriss, ging es um die Aufstockung von Bauten mit einem weiteren Geschoss in Holzbauweise, darunter um (was sonst?) Fußball.


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